21. Februar 2017

In memoriam J.V. Widmann

Schöne Rezension auf www.bergliteratur.ch von Daniel Anker. Es geht um die Neuerscheinung «Du schöne Welt» von Josef Viktor Widmann, der gestern vor 175 Jahren das Licht der Welt erblickte.

Screenshot der Website www.bergliteratur.ch vom 20. Januar 2017

20. Februar 2017

Eines Wanderers Motto

Auf den Bergen wohnt die Freiheit;
Auf den Bergen thront das Licht!
Menschenbrust wird leichter droben,
Was sie drückte, fühlt sie nicht.
Hin drum zu den blauen Höhen,
Wo die frischen Lüfte wehen;
Fern die Erdmisere du,
Und der Sternenhimmel nah!

Aus: Wilhelm Blumenhagen, Wanderung durch den Harz, 1838

18. Februar 2017

Über die Berge zu mir

Rudolf Wötzel: Über die Berge zu mir
selbst,
Integral, München, 2009
März 2007. Die internationalen Finanzmärkte sind in glänzender Verfassung. Rudolf Wötzel, Deutschlandchef der Sektion Mergers & Acquisitions bei der globalen Investmentbank Lehman Brothers, nimmt aus freien Stücken seinen Hut. Sein Grund: Sinnkrise, Burnout, Zweifel am System. Seine Absicht: die Hochgebirgs-Kämme der Alpen zu Fuss zu überqueren, von Salzburg bis Nizza. 
Ein Mensch, der das durchhält, ist ein Leistungsjunkie. Aber auch einer, der auf der Suche nach sich selbst ist. Ein Bergpilger. Ein Mensch, der in unendlich vielen Stunden der Einsamkeit seine persönlichen Prägungen und seine schillernde Vergangenheit verarbeitet. Der durch intensive Begegnung mit der wilden Natur und mit den Menschen der Berge endlich zu sich selbst findet.

Die packende Geschichte einer radikalen Neuorientierung – vom Abenteuer, alles hinter sich zu lassen und ein neues Leben zu beginnen. (Klappentext)

16. Februar 2017

Ich plädiere


Die Bibliothek der Gemeinde Maschwanden stellt ihren und anderen Leserinnen und Lesern diese schön gelegene Bank zur Verfügung. Gesehen habe ich sie im Naturschutzgebiet Hasplen auf der zürcherischen Seite der Lorze. Weil ich erst kurz zuvor eine Rast eingelegt hatte, kam mir diese Bank wenig gelegen. Ich plädiere deshalb dafür, dass das Bundesamt für Landestopografie die Signatur für Sitzbänkli schafft und deren Standorte in der Online-Karte im Massstab 1:10.000 aufnimmt. Denn, wer hat nicht schon erlebt, dass er, vom Wandern müde, sich eine Bank zum Rasten herbeigewünscht hat, in Ermangelung einer derselben dann aber doch im feuchten Gras Pause macht, um hernach hinter der nächsten Wegbiegung was zu sehen? – Genau.

15. Februar 2017

Nimm nur mit, was du tragen kannst

Achill Moser: Nimm nur mit, was du
tragen kannst,
Hoffmann und Campe,
Hamburg, 2008
Auf einer Strecke von 250 Kilometern hat Achill Moser einen alten Weg neu entdeckt. Er durchstreift bekannte und fast vergessene Regionen, erzählt von magischen Orten, grandiosen Landschaften und trifft auch die Gespenster der jüngsten deutschen Vergangenheit, als Stacheldraht und Mauerwerk Deutschland in zwei Teile trennte.

Im Herbst 1824 unternahm Heinrich Heine eine grosse Wanderung durch den Harz, die zur Niederschrift seiner berühmten Harzreise führte, jenes humoristischen Büchleins, in dem er sich an der Schönheit der Natur berauschte und über die Engstirnigkeit der bürgerlichen Welt amüsierte. Achill Moser ist Heines Harzroute nachgegangen, zusammen mit seinem fünfzehnjährigen Sohn. Vier Wochen tauchte er ein in das Land der Wälder und Moore, Burgen und Hexen. Von Göttingen über den Brocken und Wernigerode bis zur Burg Falkenstein. Ein Reise-Essay, der auch Entdeckungsreise, literarische Spurensuche sowie liebevolles Porträt eines grossen Dichters ist - und ein Wegweiser aus der Schnelllebigkeit unserer Zeit. Das Buch enthält alle Stationen der Heine-Wanderung von 1824: Nur wo man zu Fuss war, war man wirklich. (Klappentexte)

Eine lehrreiche Lektüre, nicht nur für Heine-Fans. Moser verwebt gekonnt Hein'sches Schreibgut mit dem auf der Wanderung selbst Erlebten. Die Landschaftsbeschreibungen über den Harz erwecken die Lust, das einst geteilte Mittelgebirge auf eigene Faust zu entdecken. Zu Fuss, versteht sich!

14. Februar 2017

Am Tiefpunkt

Vergangenen Sonntag widmete ich mich zum vierten Mal dem Verlauf der zugerischen Kantonsgrenze. Ich startete nördlich von Baar, nahe dem Zürcher Dorf Uerzlikon und hielt westwärts, bis ich plötzlich an der Lorze stand. Dieser nach Norden folgend, gelangte ich ans Nordkap des Kantons Zug, an den nördlichsten Punkt des reichsten Kantons der Schweiz. Hier, wo Lorze und Reuss sich vereinigen, war ich am tiefsten Punkt des Zugerlandes angelangt. Gleichzeitig war es aber auch ein Höhepunkt, denn die als Rüssspitz bezeichnete Landzunge ist wunderschönes Riedland, das den Zugern eine fürwahr notwendige Grünfläche beschert, wo strikte Verhaltensregeln gelten. Und so sieht es an diesem Northern Top of Zug aus:

Links die Reuss und rechts die einmündende Lorze. In der Bildmitte das Dreiländereck Aargau, Zürich, Zug.

13. Februar 2017

Neues aus der Edition Wanderwerk

Josef Viktor Widmann: Du schöne Welt,
Edition Wanderwerk, 2017
Am 20. Februar 2017 jährt sich zum 175. Mal der Geburtstag des Schweizer Reiseschriftstellers, Dichters und Journalisten Josef Viktor Widmann. Die Edition Wanderwerk nimmt diesen Umstand zum Anlass, das kommende Jahr zum Josef Viktor Widmann-Jahr zu proklamieren und drei Werke seines umfangreichen Schaffens neu herauszugeben.

Den Anfang macht «Du schöne Welt – Wanderungen und Reisen in Italien und der Schweiz», beinhaltend sämtliche Texte der 1. und 2. Auflage sowie Ergänzungen des Herausgebers. Das Buch ist ab sofort bei der Edition Wanderwerk erhältlich. Im Sommer wird die amüsante Erzählung «Wilds Hochzeitsreise» veröffentlicht und im Herbst «Rektor Müslins italienische Reise».

12. Februar 2017

München – Paris im Winter

Werner Herzog: Vom Gehen im Eis,
Carl Hanser Verlag, München/Wien, 1978,
erhältlich im Fischer Verlag, Frankfurkt
Ein Anruf aus Paris im Winter 1974, Lotte Eisner, die grosse Historikerin des deutschen Stummfilms liege im Sterben: Werner Herzog macht sich auf den geradestmöglichen Weg zu Fuss von München nach Paris, mit leichtem Gepäck und einem Notizbuch, in dem er seine Reise festhält. Was zunächst wie ein exzentrischer Spaziergang anmutet, entwickelt sich im Spiegel dieses Logbuches zu einer Reise, in der die Details der Landschaft und der Menschen, die dort leben, exakt beobachtet und nachgezeichnet werden.

Werner Herzog wurde als Werner H. Stipetic am 5.9.1942 in München geboren, wuchs in einem abgelegenen Dorf in Bayern auf. Als Kind kannte er weder Film, Fernsehen oder Telefon. Mit 14 begann er zu Reisen, telefonierte zum ersten Mal mit 17. Während des Studiums arbeitete er als Schweisser, um seinen ersten Film zu produzieren, was ihm mit 19 gelang. Seitdem hat er mehr als 40 Filme gedreht, produziert oder in ihnen mitgespielt. Daneben inszenierte er Opern und veröffentlichte mehr als 12 Bücher.

11. Februar 2017

Von Herford nach Berlin

Arthur Groh: 400 Kilometer zu Fuss von
Herford nach Berlin, Frieling, Berlin, 1998
Ein rüstiger Rentner macht sich im Herbst 1990 zu Fuss auf den Weg von Herford nach Berlin und erlebt als Höhepunkt und Abschluss seiner Wanderung das Freudenfest zum Tag der Deutschen Einheit. Mit seiner Reise auf Schusters Rappen löst er ein Versprechen ein, dass er sich 1948 gab, als er nur unter Lebensgefahr die damalige Zonengrenze überwinden und in seine Geburtsstadt gelangen konnte. «Zu Fuss von Herford nach Berlin» ist der bebilderte und mit Anekdoten gewürzte Bericht eines laufbegeisterten Mannes, der sich seinen grossen Traum erfüllt hat.

Artur Groh, 1913 in Berlin geboren, war als Bäcker, Briefträger und technischer Zeichner tätig. Seit 1959 lebte er in Herford und widmete sich in seiner Freizeit dem Wandern und der Schriftstellerei.

10. Februar 2017

Das gefrorene Meer

Judith Giovanelli-Blocher: Das gefrorene
Meer, Pendo, Zürich, 1999 (vergriffen)
Lore wächst mit zehn Geschwistern in einem Pfarrhaus auf. In leuchtenden Farben wird ihre Welt beschrieben. In bester Absicht werden die Kinder zu einem gottgefälligen Leben und zum Dienst am Nächsten erzogen. Doch Lore hat Fragen und entdeckt Widersprüche. Die Elter tragen selbst schwer an der Strenge. Der Vater ringt mit Zweifeln, die arbeitsame Mutter bricht für Stunden aus, um sich dann wieder klaglos in den Dienst der Familie und Gemeinde zu stellen. Doch gerade diese Risse ermöglichen Momente von grosser Vertrautheit, und die intensiven Kinderspiele sind für die Kinder eine rettende Insel.

So, wie die Füsse die normale Gangart verweigern und mit festgeschnürten Riemen in die richtige Position gebracht werden müssen, so widerspenstig gebärdet sich Lore. Immer wieder tut sie Unterlaubtes, um zu prüfen, ob Gott wirklich alles sieht. Manchmal zögernd, manchmal fest entschlossen sucht sie ihren Weg.

«Das gefrorene Meer» ist ein Buch von ungewöhnlicher Intensität, und die eigenwilligen Bilder, mit denen Lores Erleben geschildert wird, sind von faszinierender Kraft.

ZH: Laufen, Rhein, Uhwiesen, SH: Neuhausen AI: Alpstein

9. Februar 2017

Dem Zeitgeist verfallen

Paulo Coelho: Auf dem Jakobsweg,
Diogenes, Zürich, 1999
So sehr ich den Diogenes Verlag schätze, mit diesem Paulo Coelho kann ich weder hinten noch vorne etwas anfangen. Sein Buch «Auf dem Jakobsweg» erliegt denn gleich einem doppelten Zeitgeist: 1. Der vermeintlichen Wiederentdeckung dieser Pilgerroute, die mittlerweile zum modischen Wanderziel für jedermann verkommen ist. Und 2. dem esoterischen Gehabe einer Welt, die sich besser an der Realität orientiert als an der Beliebigkeit des Unsichtbaren. Mehr habe ich aus meiner Warte zu diesem Bericht nicht zu sagen. (Es spricht der Agnostiker.)

8. Februar 2017

Bis bald

Markus Werner: Bis bald, dtv, München,
1992, heute im Fischer Taschenbuchverlag
erhältlich
Am hellen Himmel des Denkmalpflegers Lorenz Hatt geht plötzlich ein Unstern auf. Der zwingt ihn, als Gefesselter zu leben. Hatt sitzt und hofft und wartet auf die Rettung. Und sässe nicht an manchen Tagen ein stiller Gast bei ihm, so wäre seine Zeit noch trüber. Ihm nämlich erstattet Hatt Bericht und macht dabei aus seinem Herzen keine Mördergrube. Wer zuhört, spürt, dass hier von uns die Rede ist, von unserem Warten, unserem Hinken, von Weltsucht, Lebensdrang und Atemnot. So begleiten wir ihn bis zu einem Ende, das wir nicht ahnen wollten. (Inhaltsangabe zum Buch)

GR: Seewis (Reha-Klinik) D: Lübeck FIN: Finnland TN: Tunesien

7. Februar 2017

Eine literarische Entdeckung

Werner von der Schulenburg: Artemis
und Ruth, Piper, München, 1947
Seit der Publikation des Literaturwanderführers «Das Klappern der Zoccoli» (Rotpunktverlag) führe ich eine Liste mit Romanen und Erzählungen, die gänzlich oder teilweise im Tessin angesiedelt sind. Neulich habe ich das Verzeichnis wieder hervor geholt und mich im Web auf die Suche nach längst vergriffenen Werken gemacht. Hierbei erstand ich unter anderen drei Büchlein eines gewissen Werner von der Schulenburg (1881–1958). Allein seine Biografie ist bemerkenswert. Meine erste Lektüre galt der Erzählung «Artemis und Ruth». Und ich war begeistert! Von Schulenburg verstand es, den Plot so zu konstruieren, den den Leser von Anbeginn nicht mehr loslässt. Und die Sprache! Schnörkellos und präzise. Schade ist diesem Schriftsteller kein nachhaltiger Ruhm beschieden. Seine Werke dümpeln heute in irgendwelchen Antiquariaten herum. Nun denn: Ich freue mich auf das Lesen der zwei anstehenden Geschichten «Briefe vom Roccolo» und «Tre Fontane». Und sollten sich diese ebenfalls als Leckerbissen herausstellen, werde ich mir weitere von Schulenburgs geistig einverleiben.

Interessantes Detail am Rande: Die Erzählung entstand am Tegernsee (Bayern) in der Zeit vom 23.3. bis zum 25.5.1945, also in den letzten Tagen des 2. Weltkriegs. Veröffentlicht wurde das Taschenbuch 1947. Im Impressum liest sich kleingedruckt: «Military Government Information Control License Nr. US-E-125».

TI: Lugano, Muzzano (Hauptschauplatz), Tesserete I: Venedig, Brescia

5. Februar 2017

Der Gehülfe

Robert Walser: Der Gehülfe, Bertelsmann
Lesering, 1955. Das Buch ist erhältlich im
Suhrkamp Verlag, Frankfurt
Ein halbes Jahrhundert ist vergangen, seit Robert Walser in Berlin nach zigeunerhaften Jugenderlebnissen diesen Roman geschrieben hat. Inzwischen haben ungeheure Stürme die Welt und die menschliche Gesellschaft erschüttert. Aber noch immer strahlt von dieser Prosaschöpfung, die ihr Verfasser als eine Darstellung des schweizerischen Alltagslebens aufgefasst haben möchte, der zeitlose Zauber eines Meisterwerkes aus. Es besteht aus einer nur Walser eigenen Mischung von nüchterner Rücksichtslosigkeit und sublimer Zartheit, von geistreichem Humor und dunkel beschattetem Ernst, durch den in unvergesslichen Farben und Nuancen der auch von Klopstock und Goethe besungene Zürichsee glitzert.

Thematisch mag der «Gehülfe» als die Geschichte des Zerfalls einer bürgerlichen Familie und eines geschäftlichen Unternehmens gelten, wobei sich der Dichter in der Figur des Gehilfen ironisch selbst porträtiert. Aber dahinter verbirgt sich der Mensch von gestern, heute und morgen in seiner ganzen Schäbigkeit, doch auch Möglichkeit zum Grossen, Schönen – erkannt, mitgelitten und belacht von einem Sprachkünstler, der überall dort, wo er sein Auge und Herz hinwendet, neue Entdeckungen in der Arktis der Wahrheit macht. (Klappentext)

ZH: Wädenswil (v.a. Villa Abendstern an der Bürglistrasse 37)

4. Februar 2017

Spezielle Rast dank Wetterkapriolen

Mein Erstaunen war gross, als sich immerhin sechs Leute zu einer Wanderung anmeldeten, die im unteren Emmental bei angesagtem Regen, Schnee und starkem Westwind über die Bühne gehen sollte. Der aufgebrachte Mut, die Überwindung des inneren Schweinehundes und die in Kauf genommenen Strapazen haben sich durchaus gelohnt, wie ich resümierend feststellen darf.

Wir gingen von Grünenmatt durch Gotthelf'sches Literatur-Territorium am Schloss Trachselwald vorbei in den Heimisbach, dem von Simon Gfeller, der nebst Rudolf von Tavel zur Haute Volée der Berner Mundartdichterszene gehört, mit seinem gleichnamigen Roman ein Denkmal gesetzt worden ist. Eine Stunde nach Wanderstart setzte feiner Schneefall ein, der bald in groben Nassschnee über ging. Wie wir aus dem Heimisbach auf einen Hügelzug aufstiegen, kamen die angekündigten Windböen herangebraust. Und Nassschnee wurde zu Regen. Gruusig!




Zufälligerweise erfuhr ich wenige Tage vor dieser Wanderung, dass unsere Route am Haus von eben diesem Simon Gfeller vorbeiführen würde, der daselbst geboren wurde und seine Kindes- und Jugendjahre verbracht hat. Als wir auf dem Zugut, so der Name des Hofes, anlangten, schien die Sonne. Weil eine Rast anstand, suchten wir Schutz vor dem Wind und fanden ihn beim gedeckten Hofbrunnen. Da öffnete sich die Haustür und eine Frau bat uns, doch in den Schopf zu gehen, dort habe es einen Tisch und Bänke. Und so kam es, dass wir bei der Grossnichte von Simon Gfeller, am Schärme pausieren konnten. Schöni Gschicht!

Auf dem Hof Zugut wuchs der Mundartdichter Simon Gfeller auf



Bei Sonne gingen wir weiter und umrundeten den oberen Talabschluss des Heimisbachs. Von Westen zog eine neue Wolkenfront heran, die uns nicht etwa neues Schneegestöber brachte: Es begann zu nebeln. Die Sicht schränkte sich zeitweise auf gut 100 Meter ein. Was für ein Wetterkino! Dass wir dann wenige Minuten vor unserem Ziel Sumiswald bei einem Hof über eine Baustelle gehen mussten, hätte nicht sein müssen. Bis dahin waren nämlich unsere Schuhe sauber geblieben. Hernach sahen sie aus, als wären wir zwei Wochen durch die schlimmsten Sümpfe Sibiriens gegangen. Dazu passte, dass im Sternen gerade kein Wasser verfügbar war. Ich gehe jedoch davon aus, dass in der Zwischenzeit der Gaststubenboden von unserem Dreck befreit worden ist.

3. Februar 2017

Ü50

Rast auf einem Grenzstein, der die Kantone Zug und Zürich markiert anlässlich meines aktuellen Wanderprojektes, das mich entlang der Kantonsgrenze rund um Zug führt.


Kaum hast du dich damit abgefunden, die 40 überschritten zu haben, bist du 50 und steuerst mit Riesenschritten auf die 60 zu. Sonderbarerweise hat man in jeder Dekade stets das Gefühl, die Zeit verrinne schnell. Mit dem Alter, so scheint mir indes, nimmt dieses Tempo zu. Vielleicht, weil man seinen Weg gefunden, die Midlife-Krise überwunden hat und sich langsam aber sicher seiner Endlichkeit bewusst wird. So sterben nicht nur zunehmend mehr Menschen aus Deinem Umfeld, auch deine eigene Gesundheit macht sich da und dort unliebsam bemerkbar. Einmal schmerzt das Knie, dann zwickt der Rücken oder die Hüfte versteift sich auf unerklärliche Weise. Ein guter Tag ist, wenn keine Bobos und Blessuren dich plagen. Und stets bin ich der Hoffnung, dass ich möglichst lange werde wandern können, denn der Pläne sind noch viele.

1. Februar 2017

Klo des Monats


Nein, für einmal keine Schüssel und kein Pissoir. Oben stehende Anleitung entdeckte mein Wanderkumpel T. im Örtchen eines fahrenden Zuges der Zentralbahn. Auf die Idee, während der Fahrt auf eine Klobrille zu stehen, um sein Geschäft zu verrichten, muss erst einer kommen. Bleibt zu hoffen, dass das Verbot keine schlafenden Hunde weckt ...

31. Januar 2017

Zu Fuss zum Nordpol

Paul Quast: Zu Fuss zum Nordpol, Verlag
Worldwide Travel.
Lebensfeindlich, kalt und abweisend – so stellt man sich die Arktis vor. Kaum jemand kennt die faszinierenden Reize dieser Region hoch oben im Norden. Paul Quast fängt den Leser wie kaum ein anderer zuvor mit dem Zauber des Nordens ein. Er schildert die anfänglichen Ängste und Zweifel, die dann umschlagen in eine euphorische Begeisterung und Liebeserklärung an den Nordpol, den er am 27. April 2003 um 12.30 Uhr erreicht. Für Interessierte gibt er Tipps und Ratschläge für den Aufenthalt in der Arktis.

Unterhaltsame Lektüre eines Abenteuers, das heute bei spezialisierten Reiseveranstaltern gebucht werden kann. Quast war mit dem DAV Summit Club unterwegs. Die Expedition stand unter der Leitung von zwei russischen Arktis-Experten. Schade fand ich, dass nach Erreichen von 90° Nord ein Transporthelikopter angeflügelt kam und die Mannschaft zurück ins Basislager flog. Meiner Meinung nach ist die Expedition nur halb gelungen ... aber gefeiert wurde das Ganze wie der Sieg über die menschenfeindlichste Wüste der Welt. Wie ist das schon wieder beim Bergsteigen nach Erreichen des Gipfels ...

28. Januar 2017

Wie das Verb «gersauern» entstand


Gersau um 1870. Quelle: Wikipedia.
Man lernt doch nie aus; gerade in diesen Tagen und Wochen, wo ich mich intensiv mit dem Kanton Zug beschäftige. Nun ist mir gestern ein mir bis dato unbekanntes Wort begegnet: «gersauern». Es leitet sich ab von der Gemeinde Gersau am Vierwaldstättersee, die bis 1817 eine eigenständige freie Republik war.
In der Zeit ihres Bestehens war die Republik, am steilen Südhang der Rigi gelegen, nur auf dem Wasserweg über den Vierwaldstättersee zu erreichen. Eine Strasse in das benachbarte Brunnen wurde erst 1867 gebaut.
Seit Beginn ihres Bestehens war die Freie Republik Gersau ein zugewandter Ort der Eidgenossenschaft. Schon am 31. August 1359 wurden die «ehrbaren Leute, die guten Nachbarn und Kilchgenossen von Gersau und Weggis» mit einem Bündnisbrief ins Bündnis der Eidgenossen aufgenommen. 1390 hatte sich Gersau von allen Vogteirechten an Habsburg (verpfändet an die Junkersfamilie Moos in Luzern) freigekauft und erhielt seine formale Unabhängigkeit am 31. Oktober 1433 durch Kaiser Sigismund, der in Basel Hof haltend das Gebiet in einer Kaiserurkunde als reichsunmittelbares Gebiet (Freies Reichsdorf) direkt unter den Schutz des deutschen Kaisers stellte. Mit dem 28. Juni 1436 erhielt die Republik ihr eigenes Staatsrecht mit eigenem Hof- und Eherecht. Die höchste Gewalt lag bei der von einem Landammann geleiteten Landsgemeinde. Auch die hohe Gerichtsbarkeit wurde von der Republik selbst ausgeführt.
Die Bevölkerung war arm und lebte hauptsächlich von der Land- und Alpwirtschaft. Bei ihrer Gründung hatte die Republik zirka 1000 Einwohner, um 1730 waren es noch 500. Erst nach der Aufnahme in den Kanton Schwyz blühte die Wirtschaft auf, besonders durch die Seidenspinnerei. Die Freie Republik Gersau besass auch eigenes Militär und kämpfte zumeist auf Seiten ihrer Schirmorte Schwyz und Luzern. Anfangs war die Kriegsmannschaft 24 Mann stark; später wurde sie auf 54 Mann aufgestockt. Die freie Republik hatte über die Wirren der Helvetischen Republik hinaus Bestand. 1798 zwar dem Kanton Waldstätten zugeordnet, wurde sie später Teil des Kantons Schwyz und 1814 nochmals selbständig. Gersau wurde 1817 durch Beschluss der eidgenössischen Tagsatzung aufgelöst und bildet seit 1818 einen Bezirk des Kantons Schwyz.

Die eigenständige Stellung dieses kleinen Gemeinwesens weckte neben Neid auch den Spott seiner Nachbarn. Über die Gersauer werden dieselben Narrengeschichten erzählt wie über die Schildbürger. In der Innerschweiz ist «gersauern» auch heute noch ein Ausdruck für unüberlegtes, umständliches Handeln.