30. August 2017

Der Handstand-Lucki

Im Sommer 1967 war Papst Paul VI. schon am Warten, als Ludwig «Lucki» Hofmaier durch das Tor in die heiligen Hallen kam. 1070 Kilometer ist er gegangen, der Lucki. Nicht zu Fuss, nein, auf Händen! Drei Monate war der 1,55 Meter kleine Mann von Regensburg nach Rom unterwegs und hat dabei unzählige Handschuhe zerschlissen. Das verschlug selbst dem Pontifex die Sprache: «Das ist ein Wunder, was Sie machen», soll dieser angeblich zu Hofmaier gesagt haben. Der Niederbayer küsste den päpstlichen Fischerring und drehte eine kleine Runde über Kopf durch den Vatikan.


Bei Ludwig Hofmaier stand 1967 die Welt Kopf. So auch bei seiner Ankunft im Vatikan.


«Ich ging schon als Kind mehr auf Händen als auf Füssen», erzählt der heute 75jährige Lucki. Bereits mit sieben Jahren spazierte er unter anderem im Handstand über den Dachfirst seines Elternhauses. Sehr zum Schrecken seiner Erzeuger. Später machte Hofmaier Karriere als Turner, war Deutscher Meister im Bodenturnen und Bayerischer Meister im Kunstturnen. Dass selbst heute noch im Deutschen Fernsehen über den quirligen Bayern berichtet wird, bestätigt die Einmaligkeit seiner Leistung vor ziemlich genau 50 Jahren.


29. August 2017

Korrigendum

Das neue Setup: das Duffle liegt nun perfekt auf dem Wagen.

Im Beitrag vom 25. August habe ich meinen Wanderwagen mitsamt Beladung vorgestellt. In der Zwischenzeit hat es eine erste Optimierung gegeben. Ich habe die Streben des Wagens nun so eingestellt, dass 1. die Achslast nicht mehr so weit hinten ist und 2. die seitlichen Kompressionsriemen des Packsacks auf der Innenseite der Querstreben zu liegen kommen. Somit kann das Duffle mit lediglich 4 Zurrgurten sowohl gegen seitliches als auch gegen stirnseitiges Wegrutschen gesichert werden. Gleichzeitig ist der volle Zugang zum Hauptfach und zum Nebenfach zu 100 % gewährleistet. Genial!

Im Gegensatz zur ersten Befestigungslösung sind nun stirnseitig keine Riemen mer notwendig, die das Gepäck vor dem Verrutschen sichern.

Auf der Suche nach einer geeigneten Diebstahlsicherung bin ich nicht etwa im Outdoorladen sondern im Baumarkt fündig geworden. Ein mit transparentem Kunstoff ummanteltes Stahlkabel von 2 Metern länge und ein 4-stelliges Zahlenschloss lassen das Gefährt mitsamt Duffle und den zwei Rädern soweit sichern, dass es z.B. an einer Stange befestigt werden kann. Freudig nahm ich zudem das Gewicht der Lösung zur Kenntnis: 220 Gramm!

Jetzt könnte es eigentlich losgehen!

28. August 2017

Surselva V

Während meinem Ferienaufenthalt in der Surselva lernte ich ein schönes romanisches Wort: «caplutta». Es ist substantiver und nicht etwa adjektiver Natur, hat also nicht die Bedeutung von «kaputt». Eine caplutta ist eine Kapelle. Und davon gibt es rund um Disentis eine ganze Menge! Mit Freude habe ich deshalb zur Kenntnis genommen, dass es einen Weg gibt, der alle diese capluttas, aber auch die baselgias, die Kirchen, miteinander verbindet. Erfahren habe ich dies in einem Restaurant, als man das Gedeck mitsamt Tischset auffuhr. Gute Sache!

Auf Bild klicken, damit es lesbar wird!


27. August 2017

Megapixler reloaded

Vor ein paar Jahren rief ich einen weiteren Blog ins Leben. Den Megapixler. Wie es der Name verrät, handelte es sich um einen Fotoblog, den ich jedoch nach einigen Monaten wieder einstellte. Neulich habe ich einen Neuanfang mit dem Megapixler gewagt und dabei gleich das Design komplett neu gestaltet. Der Blog ist nun mit dem absoluten Minimum an Informationen und Features bestückt, so dass in erster Linie das Bild im Zentrum steht. Und hier ist er also!


26. August 2017

Surselva IV

Bevor wir im offenen Wagen über den Oberalp nach Andermatt und von dort weiter nach Hause fahren, setzen wir die Wanderung auf der Senda Sursilvana ab Disentis fort. Es ist ein stetes Bergabgehen, leider zu oft auf geteerten Strassen. Und auch am Tag vier plagt uns die grosse Hitze. Als Begleiter hat sich der noch junge Rhein zu uns gesellt. Aus dem Val Sumvitg fliesst kein einziger Tropfen Wasser in den Rhein. Die Stromproduzenten zapfen alles zu ihren und letztlich halt doch zu unseren Gunsten ab. Irgend woher muss der Strom für die auch hier inflationär aufkommenden E-Bikes fliessen. Kaum ein Grosi, das nicht auf einem motorisierten Mountainbike die Steigungen bewältigt. Daher Hut ab vor den zwei deutschen Familien, die mit ihren vier bzw. fünf Kindern auf Normalfahrrädern und Campingausrüstung den Oberalp hoch strampeln.

Bei Trun auf dem Rheindamm.


Weniger von der Wanderdistanz als von der Hitze zermürbt, besteigen wir in Trun die Rhätische Bahn und fahren nach Rueras ins Basecamp, wo wir unsere Habe zusammenräumen. Dass wir im Eingangs erwähnten Aussichtswagen den Aufenthalt in der Surselva beenden können, ist als krönender Abschluss einer Woche zu werten, die mir viele neue Eindrücke und erholsame Nächte im Zelt beschert hat. Bilder der heutigen Wanderung gibt es hier zu sehen.

25. August 2017

Wandern mit Duffle

Seit ich Eigentümer eines Wanderwagens bin, den ich für meine Wanderung an die Nordspitze von Jütland benützen werde, habe ich mir den Kopf darüber zerbrochen, wie das Gefährt sinnvoll zu beladen sei. Schon bei der ersten Testwanderung bemerkte ich nämlich, dass ein festgezurrter Rucksack nicht ideal ist, da der Schnellzugang zu wichtigen Utensilien der Befestigungsgurte und der liegenden Lage wegen, nicht oder nur sehr umständlich möglich ist. Ich dachte darüber nach, in einem kleinen Tagesrucksack das Allernötigste mitzutragen. Doch dies schien mir in einer gewissen Weise pervers, denn genau deshalb hatte ich ja den Wanderwagen angeschafft: Auf dass ich mir den Rücken buchstäblich frei halten konnte. Meine Gedankengänge führten mich sodann zur Idee, einen Reiserucksack – einen sogenannten «Frontloader» – auf den Wagen zu packen. Doch als ich Gewichte und Preise dieser Säcke sah, wandte ich mich flugs einer anderen Gepäck-Kategorie zu: dem Duffle.

Der Wanderwagen Cart4Go for all, beladen mit dem Base Camp Duffle von The North Face. Ich wählte gelb, der besseren Sichtbarkeit wegen und weil die Farbe auf Farbfotos gut zur Geltung kommt.


Und dann ging es schnell. Denn offenbar haben sich zwei Marken im Expeditionsmarkt etabliert: die deutsche Firma Ortlieb und die in den Staaten geborene The Nort Face. Ich hatte also nur die Wahl und glücklicherweise für einmal nicht die Qual. Selbst die Wahl entpuppte sich als sehr einfach: Das Base Camp Duffle von TNF schien die meisten meiner Anforderungen zu erfüllen: Robustheit, Grösse, Befestigungsmöglichkeiten, Zugang ins Hauptfach, Farbe, Preis, Gewicht. Einzig die Wasserdichtigkeit war nicht ganz gegeben, das hätte indes der Ortlieb-Duffle geboten, dieser aber punktete in anderen Belangen nicht ganz zu meiner Zufriedenheit.

Auf dieser Seite lasse ich mich einspannen. Genial die hochklappbare Stütze.


So kam es, dass ich mich als Rucksackfetischist für ein Duffel zum Wandern entschied, quasi der Not gehorchend. Also ging ich hin und kaufte mit die Grösse medium, was einem Inhalt von ca. 70 Litern entspricht, und begann, einmal zu Hause angekommen, mit einem Befestigungsversuch am Wanderwagen. Welch ein Gegensatz zu den Bemühungen mit dem Trekkingrucksack! Ich war auf Anhieb begeistert, da ich 95 % meiner Vorstellungen erfüllt sah. Und die restlichen 5 %, die die Wasserdichtigkeit betrafen, würde ich mit wasserdichten Packsäcken lösen.

Nun passte ich noch den Wanderwagen den Abmessungen des Duffles an, auf dass sich dieses inskünftig während meiner pedestrischen Wanderwagen-Unternehmungen wohlfühlen möge und möglichst unverrückbar auf den vier Alurohren verharre.

So wird man mich in Deutschland und Dänemark dereinst von hinten sehen.

24. August 2017

Surselva III

Rueras–Curaglia. Vom Oberalp- an den Lukmanierpass. Auf stillen Wegen und Strässchen gehen wir. Willkommener Schattenhang bei wiederum brutaler Hitze. In Mumpé Medel ein Hofladen mit auserlesenen und sichtbar liebevoll zubereiteten Sachen. Wir schnappen im Tiefkühler nach einer Bauernhofglacé. Ein Gaumenflash für drei Franken.

Leckere Produkte im Bauernhofladen in Mumpé Medel (GR).


Fortsetzung auf dem alten Fussweg Richtung Curaglia. Trockensteinmauer links, Trockensteinmauer rechts. Der Blick übers Tal, nach Disentis. Dominant das Kloster, einmal mehr. Bauliche Machtdemonstration aus vergangenen Tagen. Viele Birken am Weg. Tessiner Ambiente diesseits der Alpensüdseite. Das Val Medel ist grün, grün, grün. Der vom Sturm Vivian am 27. Februar 1990 zerfetzte Wald ob Curaglia ist nachgewachsen und schützt Strasse und Siedlung vor Lawinen. Das geübte Auge weiss alten Bannwald von neuem zu unterscheiden, selbst 27 Jahre nach dem Windbruch. Eine Bildstrecke der Wanderstrecke gibt es hier zu sehen.

23. August 2017

Rocky


Ausgangs Eschenbach kam er mir bellend entgegen. In der Schnauze einen Tennisball. Ein Kunststück! – «Rocky, nein! Rocky hörst Du?!» – Doch Rocky bellte weiter, bis er merkte, dass ich lieb war und er den Ball fallen liess, auf dass ich mit ihm, dem Hund, spiele. Und es entwickelte sich ein Gespräch. Über Rocky. Seine Eigenschaften, seine Heldentaten, seinen Charakter. Ich fotografierte und fotografierte. Bilder dieser Wanderung von Hochdorf nach Root gibt es hier zu sehen.

22. August 2017

Strammer Pilger und etwas für Bucklige

Nichts für Menschen mit geradem Rücken ... Foto: Jörg Niederer

Wanderfreund und Methodistenpfarrer Jörg Niederer ist derzeit im Norden Frankreichs unterwegs. Pilgernd und fleissig bloggend. Sein Ziel ist das Grab John Wesleys, des Begründers der methodistischen Bewegung. Gestartet ist Jörg am 1. Juli 2017 in Frauenfeld und hat bis heute 785 Kilometer und 810 Meter zurückgelegt. Dafür hat er 37 Tage benötigt, was einen Tagesschnitt von beachtlichen 21 Kilometern ergibt. In London wir der Ostschweizer mit Oltner Wurzeln knapp 1100 km zurückgelegt haben. Und wenn alles wie geplant läuft, wird Jörg einen Reisebericht verfassen, der in der Edition Wanderwerk erscheinen soll.

Gestern nun erhielt ich von unserem Pilgersmann ein originelles Bänklibild aus Lille zugemailt, das ich meinen Leserinnen und Lesern nicht vorenthalten möchte. Auch, weil es schon seit längerem kein Bänkli mehr in diesen Blog geschafft hat.

Weiterhin alles Gute, lieber Jörg! Gibt es eigentlich schon einen Wesley-Pilgergruss? «Ultreïa!» ist ja schon vergeben, nicht wahr.

NEU: Megapixler by Schrittler – DER Fotoblog.

Surselva II

Die hohen Lufttemperaturen lassen uns nur eine Wahl: Ab in die Höhe, flugs im Zug auf die Alp Su, den Oberalppass. Auf der Urner Seite, ich muss es klagen, verschandelt der Tourismus mit dem Projekt Ski-Arena Andermatt-Sedrun die Landschaft. Die Alp Nätschen ist ein einziger Bauplatz. Vom Oberalpsee fliegt ununterbrochen der Heli zu irgendeiner neuen Liftanlage. Eine einzigartige Hochgebirgslandschaft wird zum Spielplatz kaltschnäutziger Investoren und schneegeiler Sportler. Das ist nicht gut so.

Ich mag die bedächtige und genügsame Art des schottischen Hochlandrindes. Oberhalb Rueras (GR).


Wir drehen dem Treiben den Rücken und gehen erneut auf der Senda Sursilvana. Vorbei an tristen Armeebaracken, hoch zu blumenübersäten Wiesen, hinein in ein Seitental, wo eine italienische Sennerin das Szepter schwingt. Es blühen die Erikafelder, darüber die steilen Granitzacken des Crispalt.

Im sanften Sinkflug nähern wir uns Rueras. Eine Seniorenwandergruppe keucht den Bannwald hoch. Der Leiter hantiert am Handy herum. Auf einem Maiensäss lagern wiederkäuend schottische Hochlandrinder. Ich kraule den Kopf eines der Tiere. Friedliche Stimmung. Unten im Tal kurvt der Glacier-Express, dessen Passagiere mehrheitlich auf das Display ihrer Smartphones glotzen. Reisen muss langweilig sein.
Was ich durch den Kamerasucher sah, hier ein paar Fotos.

21. August 2017

Schockierend

Daniel Blatman: Die Todesmärsche 1944/45,
Rowohlt, Reinbeck, 2011
Im Winter 1944/45 lässt die SS alle Konzentrationslager evakuieren, die alliierten Truppen in die Hände zu fallen drohen. Schwache und kranke Insassen werden zurückgelassen oder getötet, alle anderen zu Fuss oder per Eisenbahn in Lager auf dem Reichsgebiet gebracht. Wer unterwegs zusammenbricht oder zu fliehen versucht, wird auf der Stelle ermordet; viele erfrieren oder verhungern. Von den über 700.000 Häftlingen, die Anfang Januar 1945 registriert sind, kommen bei den Todesmärschen mindestens 250.000 ums Leben.

Daniel Blatman stellt dieses letzte Kapitel der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik zum ersten Mal umfassend dar. Anders als zuvor spielten sich die Ereignisse nicht mehr im fernen Osteuropa ab, sondern auf deutschen Strassen und Feldern. Und die Mörder stammten nicht mehr nur aus den Reihen der SS, Polizei und Wehrmacht. Brutalisiert durch den Krieg und die NS-Propaganda, beteiligten sich nunmehr auch Zivilisten an Massakern und der erbarmungslosen Hatz auf flüchtende «Volksfeinde». So ist dieses Standardwerk auch ein erschreckendes Porträt der deutschen Gesellschaft am Ende des Zweiten Weltkriegs.
(Inhaltsangabe zum Buch)

Selten habe ich derart lange für die Lektüre eines Buches gebraucht. Nein, nicht primär der 864 in kleiner Schrift bedruckten Seiten, als vielmehr des Inhaltes wegen. Was Daniel Blatman beschreibt, ist nichts für zartbesaitete Seelen. Kaum eine Seite, auf der nicht Dutzende oder Hunderte von Menschen erschossen, niedergemetzelt, verscharrt werden. Mehr als 30 Seiten am Stück schaffte ich nicht und musste hernach eine längere Lesepause einschieben, die manchmal bis zu zwei Monaten andauerte. Dabei waren es nicht nur die fundiert recherchierten Fakten, die mich verstörten, es kamen Fragen grundsätzlicher Natur auf. Fragen über das Wesen des Menschen, seine Grausamkeit, den blinden Verstand bis hin zum Sinn des Lebens auf dieser Welt. Doch nicht genug, angesichts der Gräueltaten vor nicht allzu langer Zeit im Balkan und den seit Jahren andauernden Tragödien in Syrien, im Jemen, im Südsudan etc., ist Vorsicht geboten, dass die Beklemmung nicht überhand nimmt und in eine Depression ausmündet.

Blatmans Buch sollte meiner Meinung nach zur Pflichtlektüre für Rassisten und Rechtsextreme erklärt werden. Auf dass es auch sie erschüttern und, im Falle der Unterdrücker und Potentaten dieser Welt, zur Umkehr bewegen möge.

Daniel Blatman, geboren 1953 in Israel, ist Direktor des Avraham Harman Institute of Contemporary Jewry der Hebrew University of Jerusalem. Er hat zahlreiche Veröffentlichungen zur Geschichte der polnischen Juden und der Shoah vorgelegt. Für sein Buch über die Todesmärsche hat er zehn Jahre geforscht.

20. August 2017

Surselva I

Gleich bei der Ankunft auf dem Campadi Rein in Rueras erhalten wir einen offiziellen Abfallsack. 17 Liter, die wir in den fünf Tagen unseres Aufenthaltes am Oberalppass nicht zu füllen vermögen. Und das ist gut so.

Anderntags die erste von vier Wanderungen: Rueras–Disentis. Meist der Senda Sursilvana folgend, geht es in Gleisnähe der Matterhorn-Gotthard-Bahn talabwärts. Auffallend die zahlreichen Kapellen, die auf Rätoromanisch Capluttas heissen. Das geschmeidig klingende Idiom ist omnipräsent, sei es auf Plakaten, bei den Durchsagen im Zug oder unter den Einheimischen. Und das ist gut so.

In Sedrun hat man ein Hotel nach unserer Katze benannt. Gute Sache!


In Disentis der Abstecher zum protzigen Kloster, dessen Renovation kurz vor dem Abschluss steht. Benediktinermönche in schwarzer Ordenskluft schweben durch endlose Gänge oder sitzen schwitzend im kleinen Gartenrestaurant, über Jesus und klösterlichen Alltagskram sprechend.

Das hauseigene St.-Placi-Bier – ich nehme ein dunkles – mundet vorzüglich. Beim Schlürfen gedenke ich Pater Ambrosius, dem kauzigen Protagonisten und Kloster-Disentis-Bewohner der Kriminalromane Jon Durscheis. Optische Eindrücke der Wanderung gibt es hier.

19. August 2017

Zusammen ist man weniger allein

Anna Gavalda: Zusammen ist man weniger
allein,
Fischer Taschenbuchverlag, Frankfurt,
2008
Philibert, von verarmten Adel, ist zwar ein historisches Genie, doch wenn er mit Menschen spricht, gerät er ins Stottern. Camille, magersüchtig und künstlerisch begabt, verdient sich ihren Lebensunterhalt in einer Putzkolonne, und Franck schuftet als Koch in einem Feinschmeckerlokal. Er liebt Frauen, Mototrräder und seine Grossmutter Paulette, die keine Lust aufs Altersheim hat. Vier grundverschiedene Menschen in einer verrückten Pariser Wohngemeinschaft, die sich lieben, streiten, bis die Fetzen fliegen, und versuchen, irgendwie zurecht zu kommen. (Inhaltsangabe zum Buch)

F: Paris (Hauptschauplatz), Tours

Anna Gavalda, 1970 in der Nähe von Paris geboren, ist eine der erfolgreichsten französischen Schriftstellerinnen der Gegenwart. Sie studierte Literatur und arbeitete als Lehrerin, bis sie mit ihrem ersten Buch schlagartig berühmt wurde. Die Verfilmung ihres Bestsellerromans ›Zusammen ist man weniger allein‹ erreichte ein grosses Publikum in ganz Europa. Anna Gavalda lebt mit ihren zwei Kindern bei Paris.

18. August 2017

Striptease der Mittagszähne


Alleine dies war die Reise ins Val d'Illiez im Unterwallis wert: Wie sich die Dents du Midi den Wolken entledigten – oder umgekehrt. Wir gingen vom Dorf Val d'Illiez auf der linken Talseite hoch über Champéry weiter talaufwärts, um dann irgendwann links abdrehend nach Champéry abzusteigen. Gegenüber hatten wir besagte Dents du Midi (dt. «die Mittagszähne»), die im Zehn-Sekunden-Takt ihr Antliz änderten. Schliesslich entledigten sie sich bis zum Nachmittag der Wolken komplett, was mir indes weit weniger gut gefiel, als das unglaubliche Wechselspiel zuvor. Wie das vonstatten ging, dokumentieren 13 weitere Fotos, die es hier zu sehen gibt.

17. August 2017

Im Frühling im Schaufenster

Melinda Nadj Abonji:
Im Schaufenster im Frühling,
Jung und Jung, Salzburg/Wien,
2011
Es geht um Luisa. Sie ist wie die anderen Kinder, aber aufmerksamer. In ihrer Welt muss man Acht geben. Manches klingt wie ein Märchen, aber es ist kein lustiges Märchen. Die Jahre vergehen: Erst ist Luisa ein kleines Mädchen, dann ist sie ein Mädchen und dann, ja, was ist sie dann? Dann ist sie älter geworden, eine junge Frau, sie lebt in Wien, hat eine Freundin, die Valerie heisst, und sie hat Frank kennengelernt. Frank verschafft Luisa das, was er Annehmlichkeiten nennt, aber Luisa begreift, dass es gut ist, auch bei Frank Acht zu geben. Luisa kannte Bernhard, Nik und Ziegler und auch ihren Vater und Herrn Fotti, und in ihrem Kopf reden alle mit und mischen sich ein, aber dann überrascht Frank sie doch. Man kann eben nicht genug Acht geben im Leben. Erst findet sie seltsame Fotos, dann eine Waffe, und dann findet sie heraus, dass Valerie Frank kennt und Frank Valerie. Was Luisa gelernt hat, am Ende? Noch lange nicht genug: «Ich trage die falschen Schuhe, sagte Luisa, überall lag Schnee.»

Melinda Nadj Abonji erzählt eine Geschichte vom allmählichen Erwachsenwerden mit eindringlichen Szenen und vielen Taktwechseln. Es ist eine Geschichte der Überraschungen, Verletzungen und einer Ahnung vom Glück.

A: Wien

16. August 2017

Kalte Asche

Simon Beckett: Kalte Asche, Rowohlt,
Reinbeck, 2007. Der Umschlag stammt von
der schönen Sonderausgabe von 2011.
Asche ist alles, was von ihr übrig geblieben ist. Fast alles. Als der Rechtsmediziner David Hunter die Überreste der Frau in einem verfallenen Cottage auf der schottischen Insel Runa zum ersten Mal erblickt, weiss er sofort: Dieser Tod war kein Unfall. Er will seine Erkenntnisse dem Superintendenten mitteilen, doch die Leitung bleibt tot. Ein Sturm hat die Insel von der Aussenwelt abgeschnitten. Da geschieht ein weiterer Mord. (Klappentext)

Das Beste an dieser Geschichte finde ich den Schauplatz. Plott und Sprache wirken trivial. Von einem Bestsellerautor hätte ich mehr erwartet. Und: Ein Thriller wird nicht zwingend spannender, je mehr Morde geschehen.

GB: Flughafen Glasgow, Grampian Mountains, Stornoway, Runa (fiktive Insel der Äusseren Hebriden und Hauptschauplatz)

15. August 2017

Der Niesen im Berner Oberlande

Eine Reiseskizze
von Dr. H., erschienen in der Oesterreichischen botanischen Zeitschrift, X. Jahrgang, Nr. 3, März 1860

Mancher Leser dieser Blätter hört hier wohl zum ersten Male den Namen eines Berges, der doch mehr als mancher andere, jetzt viel besuchte und gerühmte Punkt der an Naturschönheiten so reichen Schweiz die Aufmerksamkeit des flüchtigen Reisenden nicht allein, sondern auch des wissenschaftlichen Forschers verdient. Gleich merkwürdig durch seine Gestalt und prachtvolle Fernsicht, wie durch seine üppige Flora und seine interessanten geognostischen Verhältnisse und bereits im Jahre 1561 von Benedikt Aretius (der dem Genus Aretia seinen Namen gab) beschrieben, diente er doch bis jetzt beinahe nur der näheren und ferneren Umgegend zum Zielpunkt von Excursionen , während der grosse Touristenschwarm, der alljährlich die Schweiz durchflutet, und zum grossen Teile an seinem Fusse vorüber durchs Kandertal und über den Gemmipass dem Wallis zueilt, durch seine schwere Zugänglichkeit und den Mangel eines sicheren Obdachs auf der Spitze von der Besteigung abgeschreckt wurde. In den letzten Jahren ist das anders geworden. Seitdem ein mit grosser Mühe und bedeutenden Kosten angelegter, ganz gefahrloser Weg zum Gipfel des Niesen führt, und ein treffliches Gasthaus dem Wanderer erwünschte Labung und Schutz gegen einbrechendes Unwetter verspricht, hat sich ihre Zahl auch der ausländischen Besucher ungemein vermehrt und die Zeit dürfte nicht mehr fern sein, wo sein Name dem des Rigi und anderer berühmter Aussichtspunkte ebenbürtig genannt wird. Leider wird aber auch mit dem Eintreffen des unvermeidlichen Engländers und des lärmenden Franzosen der Berg viel von dem poetischen Reize verlieren, der sein einsames Haupt bisher schmückte.



Der Niesen, 7280 Fuss ü.M., 5580 Fuss über dem Spiegel des Thuner Sees gelegen, den sein Fuss beinahe berührt, ist ein fast ganz isolierter Berggipfel im Südwesten des Kantons Bern, zwei Stunden von Thun entfernt. Gleich einem weit vorgeschobenen Posten des höheren Alpengebirges, ist er, ein riesiger Wächter, zwischen den engen Ausgangspforten des Simmen- und Kander-Tales hingelagert, den Umwohnern ein zuverlässiger Wetterprophet. Schon aus der Ferne lenkt er durch seine fast regelmässige Pyramidenform das Auge des Reisenden auf sich. Nach drei Seiten schroff abfallend, hängt er nur gegen Südwest mit einer niedrigeren, gegen das Wallis auslaufenden Gebirgskette zusammen. Nur bis auf den vierten Teil etwa ist er bewaldet, den übrigen Teil des Berges bedecken schöne Triften, auf denen eine gesegnete Alpenwirtschaft von den Umwohnern betrieben wird. Sein Haupt reicht nicht in die Schneeregion, auch kann an seinen steilen Wänden der Winterschnee nicht lange haften und macht zeitig im Jahre einer mannigfaltigen Flora Platz.

Über die geognostischen Verhältnisse des Niesen kann ich als Laie nur erwähnen, dass er dem Kalke angehört, dessen Schichten auf mannigfache Weise von Schiefer, Sandsteine und Grauwacke durchsetzt werden. Den Gipfel bedecken mächtige, chaotisch durcheinander geworfene Sandsteinstücke, wie von Riesenhand nach allen Richtungen hingeschleudert.




Als ich im vergangenen Sommer auf einem botanischen Ausfluge durch die Schweiz in dem heiteren Thun angelangt, schon im Begriffe stand, vom Dampfe mich wieder dem Norden zuführen zu lassen, kam mir der Rat meiner freundlichen Thuner Wirtin, dem nahen Niesen zum Abschied noch einen Besuch abzustatten, ganz gelegen. Schon am vergangenen Abend hatte mir auf der Fahrt von Interlacken herüber seine gigantische, vom Abendrot bestrahlte Pyramide lockend zugewinkt und den Wunsch rege gemacht, mit seiner Besteigung meinen Reiseerlebnissen noch eine schöne Erinnerung hinzuzufügen. Ich hatte zwar des Schönen viel, für so kurze Zeit fast zu viel gesehen, und dabei als Neuling in den Schätzen einer reichen Alpenflora geschwelgt; Rigi und St. Gotthard, Furka und Grimsel, Rhonegletscher und Faulhorn hatten mir mit ihren schönsten Gaben Tribut zahlen müssen, und dennoch sah ich nur mit Bedauern dem Augenblick entgegen, der mich von so viel Herrlichkeiten trennen sollte. Begierig ergriff ich daher die günstige Gelegenheit, den Abschied noch um einen Tag hinauszuschieben und schon die nächste Stunde sah mich, am heitern Morgen des 29. Juli, auf der schönen Strasse nach Wimmis meinem Ziele zustreben. Eine fruchtbare, reich angebaute Gegend und links in nicht zu weiter Ferne die im Morgenlicht strahlende Kette der Berner Hochalpen gewährte Unterhaltung genug während des zweistündigen Weges bis Wimmis, welches, von einem altertümlichen Schlosse überragt, sich an den Fuss des Niesen anschmiegt. Ein Führer wurde hier akquiriert, mehr der Gesellschaft und des Gepäcktragens halber, als um den Weg zu zeigen, der deutlich genug vorgezeichnet war. Nachdem ein enges, von steilen, nadelholzbewachsenen Wänden umgebenes Wiesental durchschritten war, begann sogleich das Ansteigen, anfangs noch im Schatten des Gehölzes oder durch fette Bergwiesen, auf denen indes nur die gewöhnliche montane Flora, z.B. Scabiosa sylvatica, Gentiana campestris, Prunella grandiflora, Orchis militaris, Peristylus albidus u. A., untermischt mit einzelnen subalpinen Kräutern anzutreffen war. Hin und wieder öffnete sich eine reizende Fernsicht über den Spiegel des Sees und nahe und ferne Bergeshäupter, oder eine klare Quelle rauschte zwischen einem Walde hoher Farrenkräuter, zwischen denen Aconitum Napellus, Saxifraga rotundifolia, Veronica urticaefolia, Astrantia major, Prenanthes purpurea, Senecio cordatus u.A. wucherten, hervor. Nach und nach wurde die Holzung sparsamer und niedriger, der Rasen kürzer, aber auch das Ansteigen unter der brennenden Julisonne beschwerlicher. Über weithin sich dehnende Matten von zahlreichen Herden eines schönen Rindviehschlages belebt, zog sich der Weg in mannigfachen Windungen am Berge hinauf. Die bis dahin etwas einförmige Flora, fast nur aus kurzem Grase, untermengt mit den alpinen Formen von Lotus corniculatus, Thymus Serpyllum und Anthyllis Vulneraria bestehend, denen sich seltener Daphne striata und Veratrum album, desto häufiger und auf weite Strecken hin Rumex alpinus zugesellte, nahm allmählich alpinen Charakter an. Gentiana purpurea zeigte sich nun und blieb bis nahe an den Gipfel häufig, seltener, aber in riesengrossen Exemplaren, fand sich Gentiana lutea, ganz vereinzelt Gentiana punctata, dazwischen Cirsium eriophorum, an feuchten Stellen Cirsium spinosisximum, mit ihnen Parnassia palustris in fremdartiger zwerghafter Tracht, Trifolium caespitosum, badium, pratense var nivalis, Saxifraga Aizoon, Scabiosa lucida, Sedum album und atratum, Bellidiastrum Michelii, Homogyne alpina , Erigeron alpinus und glabratus, Chrysanthemum atratum, Arnica montana, Carduus defloratus , Leontodon hastilis var. alpina, Crepis aurea, Hieracium Auricula und angustifolium, Campauula barbata, pusilla und Scheuchzeri, Phyteuma betonicefolium, Gentiana acaulis (hier schon verblüht), Rhododendron ferugineum, Bartsia alpina, Euphrasia officinalis var. alpestris und salisburgensis, Poa alpina, Phleum alpinum, Festuca Halleri und ovina var. alpina.




Nach dreistündigem, ununterbrochenem Ansteigen war die noch eine Stunde unter dem Berggipfel gelegene Sennhütte erreicht, wo bei erquickender Alpenkost frische Kräfte für die noch übrige Strecke gesammelt wurden. Mit jedem Schritte auf dem fortwährend im Zickzack steil, aber bequem und gefahrlos ansteigenden Pfade öffnet sich eine neue, immer schönere Fernsicht auf die gerade gegenüber riesig emporsteigenden Berner Alpen, eine oft schon empfindliche Gletscherluft, die von ihnen herüber weht, kühlt die erhitzte Stirn und immer reicher entfaltet sich dabei eine herrliche Alpen-Flora. Die schöne Alpenaster färbt mit ihren Massen den Rasen fast tiefblau, und wetteifert mit den brennenden Farben des Alpen-Vergissmeinnichts und der Gentiana nivalis und bavarica; Nigritella angustifolia haucht ihre Düfte aus, Anemone alpina und vernalis, Arabis alpina, pumila, Arenaria ciliata, Cerastium strictum, Hedysarum obscurum, Phaca astragalina, Oxylropis montana, Geum montanum, Dryas octopetala, Potentilla aurea (nebst einer anderen, Poteiitilla, die der salisburgensis var. trifoliata am nächsten kommt), Alchemilla alpina, Gaya simplex, Bupleurum ranunculoides, Galium helveticum, Erigeron uniflorus, Gnaphalium carpaticum, dioicum var. alpina, supinum und Leontopodium (letzteres in grösster Menge), Pedicularis verticillata, Phyteuma hemisphaericum, Androsace Chamaejasme, Primula farniosa und ein Heer von Gräsern, darunter Avena versicolor und Festuca pumila, auch im Rasen versteckt Selaginella spinulosa und Cystopteris alpina, fesseln immer aufs Neue die Blicke.

So nahten wir uns unter fortwährendem Sammeln der Spitze, der Rasen wird dürftiger und zahlreiche Felsblöcke, oft Ruinen oder Mauern gleich, zwischen denen sich der kunstvoll angelegte Weg hinschlängelt, bedecken die Hänge des Berges. Endlich steigt die höchste Kuppe, bisher noch versteckt, vor den Blicken auf, nach wenigen Minuten ist das freundliche, mit manchem in solcher Höhe kaum gesuchten Komforts ausgestattete Gasthaus erreicht und wir können unter schattigem Dache unserem Körper die notwendige Ruhe und leibliche Erquickung gönnen.

Neu gestärkt klimmten wir die wenigen Schritte zur höchsten Spitze des Berges hinan, die nur wenig Personen Raum bietet. Eine Aussicht bietet sich hier, mit der sich nur wenige vergleichen, die wir aber hier dem Leser nur in ihren Hauptumrissen zeichnen können. Die ganze weite Fläche zwischen Alpen und Jura liegt vor uns, mit einer Unmasse von Ortschaften besät, von zahlreichen Seen belebt, von Gebirgen nach allen Richtungen hin durchzogen, im fernen Hintergrund von der vielgezackten Mauer des Jura begrenzt. Kehrt der Blick in die nähere Umgebung zurück, so fällt er zunächst in das zu unsern Füssen liegende Simmental, berühmt wegen seiner Fruchtbarkeit und trefflichen Viehzucht, jenseits von der Stockhornkette mit ihren abenteuerlich gestalteten Gipfeln begrenzt, welche nach dieser Seite hin die weitere Aussicht hemmen. Über die Simmentaler Berge hinweg erheben sich westlich zahllose Bergspitzen der Kantone Waadt, Genf und Freiburg. Weiter gegen Norden schweifend haftet das Auge auf dem glänzenden Spiegel des Thuner Sees, denn ein Kranz schöner Ortschaften umgibt und dessen Nordspitze das malerische Städtchen Thun krönt. Einem silberglänzenden Bande gleich schlängelt sich aus der Bucht des Sees die Aare in zierlichen Windungen dem alten Bern zu, dessen Turmspitzen dem Auge kaum noch deutlich erscheinen. Weiter nördlich lagern sich die niedrigeren Gebirge des Kantons Bern vor, dem Emmental und Entlebuch entsteigend. Nach NO, in der Tiefe, ist noch ein Teil des Brienzer Sees zwischen seinen hohen Felsenufern sichtbar, dahinter ragen der Pilatus, Brünig und andere Gebirge der östlichen Schweiz. Südöstlich strecken sich zu unseren Füssen die Frutigen-, Kander-, Adelboden- und Kien-Täler aus, in ihrem reichen Anbau einem Garten ähnlich, zwischen ihnen und dem Brienzer See die Berge des Lauterbrunnen- und Grindelwald-Tals und noch über diese majestätisch emporgipfelnd die Kette der Berner Hochalpen. Unter allen am prachtvollsten ragt die Blümlisalp oder Frau hervor, die mit ihren weiten Schneefeldern und Gletschern den Glanzpunkt der Aussicht bildet und weil mit ihrem Fuss dem Kiental entsteigend, hier ihrem ganzen Umfange nach, wie von keiner anderen Stelle aus sichtbar ist. Das Breithorn, die Jungfrau, der Eiger, die Schreck- und Wetter-Hörner reihen sich östlich an sie an, während gegen Süd und Südwesten die Gemmi, Altels, Karyl, Diablerets und unzählige andere, dem Wallis und Waadt-Lande angehörende Spitzen sich erheben. Eine im fernen Hintergrunde auftauchende Kuppe bezeichnete mir der kundige Führer als zur Gruppe des Montblanc gehörig. Wer, wie ich, das Glück hatte, diese Aussicht bei heiterem Himmel und einem gleich prachtvollen Sonnenauf- und Untergang zu geniessen, dem wird sie unvergesslich bleiben.

Wendet sich das Auge endlich von dem erhabenen Rundgemälde ab und der näheren Umgebung wieder zu, so trifft es zwischen den Felsenblöcken, dem Gerölle und kurzen Rasen der Spitze – ausser vielen der schon früher genannten Pflanzen – noch auf die Polster der Silene acnaulis, Saxifraga oppositifolia (schon verblüht), moschata und Seguieri? Aronicum scorpioides, Elyna spicata, Carex frigida, firma und ferruginea, Sesleria coerulea (nur auf der höchsten Spitze bemerkt) Poa minor. Schöne Steinflechten überziehen in mannigfachen Farben die verwitterten Blöcke.

Ein erquickender Schlaf folgte den gehabten Anstrengungen. Zeitlich am anderen Tage, um die Morgenkühle noch zu benützen, trat ich den Rückweg an, wobei ich leider der Zeitersparnis halber dem gestrigen Pfade wieder folgen musste. Nach kaum zwei Stunden war der Fuss des Berges, nach einer weiteren Stunde auch Thun wieder erreicht und der Nachmittag traf mich bereits, Dank der Geschwindigkeit des Dampfrosses, in dem schweizerischen Venedig, wie der Berner seine Stadt gern nennen hört. Ein mächtiger Strauss von Edelweiss folgte mir in die Heimat und mahnte noch lange an eine der genussvollsten Exkursionen.




Mit vorliegenden Zeilen bin ich natürlich weit entfernt, ein vollständiges Bild der Flora dieses Berges entwerfen zu wollen, sie enthalten nur das, was bei einer flüchtigen Besteigung zur Seite des Weges gesammelt oder notiert wurde. Ich würde sehr dankbar sein, wenn die kundigere Feder eines Schweizer Botanikers, vielleicht in diesen Blättern die obige Skizze vervollständigte. Denn es ist mit Recht anzunehmen, dass sich bei einer genaueren Durchforschung, namentlich auch der übrigen Seiten des Berges und zu einer früheren Jahreszeit, noch manche Seltenheit, so das von Gaudin erwähnte Eryngium alpinum, findet, und dass der Niesen seinem neuerlich durch manchen seltenen Fund berühmt gewordenen Nachbar, dem Stockhorn, auch in dieser Beziehung ebenbürtig zur Seite stehe. Und selbst wenn dies nicht der Fall wäre, würde schon die Üppigkeit der Flora und der Umstand, dass die Vegetationsgrenzen der Pflanzen hier, wie an andern isolierten Bergen, recht instruktiv hervortreten, und sich bequem studieren lassen, einem jeden Botaniker die immer etwas mühselige Besteigung lohnen.

14. August 2017

Mein Feuergesicht

Ruth Blum: Mein Feuergesicht, Flamberg
Verlag, Zürich/Stuttgart, 1967
Einem grossen Thema bleibt Ruth Blum, die bekannte Erzählerin, immer wissender und tiefgründiger auf der Spur: Es ist die spannungsreiche Beziehung zwischen Mann und Frau, welche der Dichterin sinnbildlich erscheint für die spannungsreiche Beziehung zwischen Mensch und Gott. So auch in diesem kraftvollen, neuen Buch.

Ursula Imholz, ein kluges und leidenschaftliches Mädchen bäuerischer Abstammung, verfällt dem Charme eines weltläufigen und modern-religiös gesinnten Mannes. Ursula ist gezeichnet durch den Makel eines «Feuergesichts», eines flammenden Muttermales, in der einen Gesichtshälfte. Das macht es dem Geliebten leichter, gegenüber dem Mädchen in der platonischen Distanz einer Seelenfreundschaft zu verharren, und es doch unter geistiger Machtausübung in Abhängigkeit zu halten. Nach langen Jahren eines urtümlichen inneren Ringens der Geschlechter heiratet der Mann – aber nicht Ursula.

In einem Prozess ehrlicher Selbsprüfung durchschaut die Enttäuschte nicht nur die Schuld des zuvor geliebten und dann gehassten Partners, sondern schliesslich auch den eigenen Fehler einer überspannten Erwartung an das Leben und an den vor solchem Anspruch notwendigerweise scheiternden Mitmenschen. Der tapfere Entschluss, auf die Pose der Betrogenen zu verzichten, gibt Hoffnung auf den Gewinn einer reiferen und freieren Menschlichkeit.

Buchumschlag der Ausgabe der
Evangelischen Verlagsanstalt,
Berlin/Leipzig
Ruth Blum erzählt das reiche und fesselnde Geschehen mit der ihr eigenen Frische, aber auch mit feinem Gespür für Zwischentöne. Die Komposition zeigt mit schöner Klarheit drei sich verschränkende Handlungsebenen: die Rückblende auf vergangene Ereignisse, die Gegenwart einer Klinik, in welcher Ursula mit Hilfe verstehender Menschen ihre Umkehr vollzieht, sowie eine Folge von knappen, Tieferes andeutenden Traumschilderungen. Damit ist der Autorin nicht nur die psychologisch differenzierte und dadurch hilfreiche Schilderung eines heutigen Frauenschicksals, sondern ebenso ein Spiegel mordernen religiösen Erlebens zu danken. (Klappentext)

GE: Stadt Genf GR: Bivio SH: Klettgau, Stadt Schaffhausen TI: Bassa di Nara, San Carlo di Negretino, Riva San Vitale

13. August 2017

Pfaffenbühlweg

Anlässlich meiner Begehung sämtlicher Strassen, Wege und Pfade der Gemeinde Thun habe ich auch alle Strassenschilder fotografiert. In dieser Serie unter dem Label Thun total präsentiere ich das Resultat. Hinter einigen Strassennamen verbergen sich interessante Geschichten, auf die ich an dieser Stelle gerne näher eingehe.

11. August 2017

Mein Jakobsweg

Elke Sauer: Mein Jakobsweg, Piper,
München, 2010. Das Buch ist 2008 im
Weltbildverlag erschienen, wo es immer
noch greifbar ist.
Das ist unmöglich, sagten Bekannte und Verwandte, du wirst diesen schweren Weg nicht schaffen. Aber Elke Sauer liess sich nicht aufhalten. Nach jahrelangem Kampf gegen den Krebs ging sie im Jahr 2004 los, von Burgos bis nach Santiago de Compostela, 500 Kilometer weit. Ihr Körper war nach sieben Jahren schwerer Krankheit geheilt, ihr Geist offen für die intensiven Erfahrungen, die atemberaubende Natur, die Begegnungen mit Menschen aus aller Welt. Dies ist das wohl bewegendste Buch über den Jakobsweg: Eine Frau erlebte das Pilgern als Geschenk eines neuen Lebens. (Klappentext)

9. August 2017

Plätzli


Eugens Venom

Die Begehung der Gemeinde Büron, ein Hudelwetter mit viel Wind und abschlissendem Sonnenschein, mein erster Ferientag sowie viel Wanderwille: Soweit das Setting zur Tour von Reitnau (AG) nach Nebikon (LU). Nach ungefähr einer Stunde gelangte ich in den kleinen Ort Wilihof und staunte nicht schlecht. In einer baumbestandenen Wiese stand eine Venom. Sie trug das Rufzeichen EU-GEN. Ich ging davon aus, dass es sich um den Vornamen des Flugzeugbesitzers handelte. Und ich lag richtig!

Eugen Wüests Venom im Örtchen Wiliberg (LU). Im Hintergrund das Dorf Triengen.


Die Maschine gehört seit 1999 dem hier ansässigen Landwirt Eugen Wüest. Er soll angeblich rund 1000 Stunden in die Renovation des von 1956 bis 1983 bei der Schweizer Armee im Einsatz gestandenen Düsenjägers investiert haben. Davon ist 2017 nicht mehr viel zu sehen. In all den Jahren haben sich am Chassis gruselige Ablagerungen gebildet. Henu, Bauer Wüest ist ein Flugzeug-Freak und sogar Privatpilot. Sein Heimatflughafen befindet sich im nahen Triengen, von wo er gelegentlich mit zwei- und vierplätzigen Maschinen abhebt.

Insgesamt 250 Maschinen hatte die Schweizer Luftwaffe einst in Betrieb, und ich mag mich noch gut an diese Krachmacher erinnern, wie sie in meiner Jugend am Himmel auftauchten und wir in ahnungsloser Begeisterung die Köpfe in den Nacken warfen. Auf der insgesamt eher monotonen Wanderung nach Nebikon schaffte ich es indes nicht, gedanklich den Reiz eines Kampfjets auf eigenem Grundstück auszumachen. Okay, zwischendurch wurde ich von weiteren, mitunter skurrilen Fotomotiven von meinen Gedankengängen abgelenkt. Irgendwie schien mir, so mein Fazit, die Luzerner hätten das ganze Jahr über ein wenig Fasnacht. Einmal mehr und einmal weniger. Die Bildstrecke zu Reitnau – Nebikon gibt es hier.

8. August 2017

Die Schneefalle

Silvio Blatter: Die Schneefalle, Benziger,
Zürich/Köln, 1981. Der hier gezeigte
Umschlag zeigt die Ausgabe von 1983
im Buchclub Ex Libris.

Ein Banküberfall in Zürich: die Täter deutsche Terroristen. Eine Grossfahndung, die irgendwo in den Bergen endet. Doch wichtig ist für Silvio Blatter nicht diese Polizeiaktion, wichtig sind ihm Gefühle und Erfahrungen der betroffenen Menschen: der Jäger, der Gejagten, der scheinbar Unbeteiligten. Was ist der Preis, den wir für Sicherheit zahlen, und wie reagieren wir, wenn immer wieder das Unversicherbare berührt wird. Fragen, die sich nach der Lektüre dieses Romans stellen. (Klappentext)

LU: Stadt Luzern ZH: Stadt Zürich

Unter dem Label Schauplätze stelle ich in lockerer Folge belletristische Werke und die darin vorkommenden Schauplätze vor. Weshalb nach der Lektüre eines Romans nicht einmal den Schauplatz im Original besuchen? Es eröffnen sich einem unter Umständen neue Welten.

7. August 2017

FFSZ

Kleines Ärgernis vor ein paar Wochen auf dem Zürichsee. Bereits die Digitalanzeige am Schiff schrieb Schiffszuschlag. Muss wohl ein Fehler sein, dachte ich, ist ja gar kein Dampfschiff. Doch der vermeintliche Fehler war eine Fehlanzeige, wie uns die Matrosin sogleich wissen liess und uns an den Schalter zitierte. Ja, auch GA-Besitzer müssten die fünf Franken Zuschlag bezahlen. – Weshalb? – Sie schwurbelte etwas von einer Abstimmung, kam flugs aus dem Schalterhäuschen hervor und streckte mir einen Wisch entgegen. Hier würde alles draufstehen.

Das Beste an diesem Stück Papier:  die eher seltene Konsonatenfolge FFSZ im Wort Schiffszuschlag.
 Ich las: «Auf den Schiffen der Zürichsee Schiffahrtsgesellschaft (ZSG) wird ein Zuschlag von CHF 5.00 erhoben. Dieser gilt für alle Kursfahrten auf dem Zürichsee, dem Obersee und der Limmat. Ausgenommen sind die ‹Traumschiffe› der ZSG. Die ZSG ist als Partner im Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) im Tarifsystem des ZVV integriert. Dadurch profitieren die Kunden von sehr günstigen Tickets – günstiger als auf anderen Seen. Im Rahmen des Sparprogramms des Kantons Zürich hat der Regierungsrat entschieden, dass mit dem ZSG-Schiffszuschlag der vergleichsweise tiefe Kostendeckungsgrad der ZSG verbessert werden soll.»

Unweigerlich musste ich an mein in den letzten Jahren stets teurer gewordene GA denken. Falls die Praxis des Zürcher Regierungsrates schweizweit Schule machen sollte, dann gute Nacht. Ich gehe davon aus, an diesem symbolträchtigen 23. Juli 2017 zum ersten, aber auch zum letzten Mal in den Gewässern der Goldküste gesegelt zu sein.

4. August 2017

Quartierweg

Der Quartierweg ist der einzige Strassenname in Thun, der mit dem Buchstaben «Q» beginnt.

2. August 2017

Ruth Blums Erbe

Ruth Blum, 1913–1975
In der Beitragsreihe Schuplätze widme ich mich hier ausnahmsweise einer Autorin, die mich nachhaltig beeindruckt hat: Ruth Blum. Ich entdetckte sie 24 Jahre nach ihrem Tod, als ich mir im Februar 1999 in einem Buchantiquariat Die Grauen Steine erstand, deren Lektüre nach mehr verlangten. Und so kam es, dass ich mir sämtliche belletristischen Werke Blums zulegte – alle samt und sonders vergriffene Bücher, leider.

Ruth Blum wurde 1913 in Wilchingen (SH) geboren. Nach abgebrochener Lehrerausbildung und Tätigkeiten in verschiedenen Berufen gelang der Klettgauer Bauerntochter 1941 mit dem Kindheitsroman Blauer Himmel, grüne Erde ein überraschender Durchbruch. Die folgenden Werke bestätigten den Erfolg allerdings nicht. Ruth Blum erwarb ihr Diplom und arbeitete 1950–1961 als Lehrerin in Schaffhausen. Ein Krebsleiden erzwang ihre vorzeitige Pensionierung, vermittelte ihr aber auch einen vertieften Zugang zu den letzten Fragen des Lebens und des Todes. Es entstanden wiederum beachtliche Bücher. Sie erhielt u. a. 1955 den Literaturpreis der Stadt Schaffhausen, 1965 einen Gesamtwerkspreis der Schweizerischen Schillerstiftung sowie 1971 den Georg-Fischer-Preis. Ruth Blum ist 1975 gestorben.

Blums Romane, Novellen und Erzählungen haben meist einen Bezug zu realen Örtlichkeiten. Nachfolgend eine Übersicht der Werke, vier davon mit den Schauplätzen:

Ruth Blum: Blauer Himmel, grüne
Erde, Huber, Frauenfeld, 1941
SH: Klettgau
Ruth Blum: Der gekrönte Sommer,
Huber, Frauenfeld, 1945
VD:  Vallée de Joux, Chalet
des Esserts, Chalet des Grandes
Chaumilles, Lac de Joux,
Le Sentier, Mont Tendre, Mont Risoux

Ruth Blum: Sonnenwende, Huber,
Frauenfeld, 1944
ZH: Stammheim, Stammerberg,
Stadt Zürich
Ruth Blum: Mein Feuergesicht, Flamberg,
Zürich, 1967
GE: Stadt Genf GR: Bivio SH: Klettgau,
Stadt Schaffhausen TI: Bassa di Nara,
San Carlo di Negretino, Riva San Vitale

  • Schulstubenjahre, Verlag Peter Meili, Schaffhausen, 1976
  • Die Sichel, Verlag Peter Meili, Schaffhausen, 1975
  • Und stets erpicht auf Altes. Irlandfahrten 1948–1973, Verlag Peter Meili, Schaffhausen, 1974
  • Die grauen Steine, Verlag Peter Meili, Schaffhausen, 1971
  • Und es erhub sich ein Streit, Zürich, Flamberg Verlag, 1964
  • Wie Reif auf dem Lande, Flamberg Verlag, Zürich, 1964
  • Der Gottesstrauch, Huber, Frauenfeld, 1953
  • Das Abendmahl, Huber, Frauenfeld, 1947

Beschaffungsstopp

Mir scheint, dass meine Bibliothek einen Umfang erreicht hat, der einen Beschaffungsstopp für Bücher rechtfertigt. Wieso das? Ich habe in den vergangenen 30 Jahren etliche Bücher gelesen und noch viel mehr gekauft. Bibliophil wie ich nun einmal bin, kommen gelesene Bücher ins Buchregal und nicht in die Brockenstube oder ins Antiquariat. Okay, es gab und gibt da immer wieder Ausnahmen. Nun ist es an der Zeit, das Verhältnis zwischen gelesenen und ungelesenen Werken zu bereinigen. Da ich seit Anfang der 1990er-Jahre alle meine Bücher systematisch in Excel erfasse, weiss ich, was bereits durch ist und was noch der Lektüre harrt. Ganz wichtig, z.B. bei denjenigen Autoren, die üppig vertreten sind, wie z.B. Georges Simenon, Martin Suter, Hansjörg Schneider, Jakob Arjouni, Henning Mankell oder Peter Stamm.

Die umfangreiche Excel-Liste ist wirklich ein Segen, denn darin erfasse ich z.B. auch die Originalschauplätze von Romanen, die ich mehr oder weniger regelmässig in diesem Blog veröffentliche. Zudem gibt die Liste auch Auskunft darüber, wann ich ein Buch gekauft habe, in welchem Verlag es erschienen ist, über wie viele Seiten es verfügt, ob es sich um eine Soft- oder Hardcover-Ausgabe handelt und eben: ob ich es gelesen habe oder nicht.

Das Verzeichnis ist in verschiedene Sparten gegliedert, die ich nach meinem Gusto definiert habe. Damit ich nun einen Überblick erhalte, wie es sich mit dem Lesestand der insgesamt 1765 registrierten Bücher steht, habe ich eine Übersicht geschaffen, die sich nach jeder vollendeten Lektüre automatisch aktualisiert. Hier nun der Stand per 2. August 2017, am Tag eins nach dem beschlossenen Beschaffungsstopp:

1. August 2017

Wolkenpfad

John Harrison: Wolkenpfad, Dumont
Reiseverlag, Ostfildern, 2013
Zu Fuss durch das Herzland der Inka –Erlebnisse in Andendörfern, in denen kaum je ein Weißer gesichtet wurde. Harrisons Buch lässt die extremen Landschaften, die er unter den Vulkanen der Anden zu Fuss durchstreift, und die extremen Lebensbedingungen der Menschen ebenso lebendig werden wie die zahlreichen Ruinen des Inka-Imperiums am Weg. Das Gelände ist eine Herausforderung, der Weg beschwerlich. Auch der von Harrison auf einem Dorfmarkt ersteigerte störrische Esel hilft wenig. Die vielen Unwägbarkeiten der Reise, die Ängste und die Einsamkeit, kaum einmal unterbrochen durch kurze Aufenthalte in Gebirgsdörfern, werden feinfühlig und spannend erzählt. (Klappentext)

Mein Fazit: Ein Wanderreisebericht der Superlative!

John Harrison, in Liverpool geboren, studierte in Cambridge und Liverpool und arbeitete nach dem Hochschulabschluss in der walisischen Hauptstadt Cardiff als Stadtplaner. In den 1990er Jahren gab er diesen Beruf auf, um sich ganz dem Reisen und Schreiben zu widmen. Er besuchte alle Länder Südamerikas und über vierzigmal die Antarktis. Harrison veröffentlichte zahlreiche Artikel sowie mehrere Bücher und wurde mehrfach mit Preisen ausgezeichnet. «Cloud Road» (Wolkenpfad) wurde 2011 zum Wales Book of the Year gekürt.