9. Oktober 2017

Der zweiteilige Dreiteiler – Teil 1

Ich hatte mich auf einen spannenden und zwei monotone Wandertage im Tessin gefasst gemacht. Und einmal mehr hat mich meine Vorahnung Lügen gestraft. Die Route von Lavorgo nach Bellinzona hielt nicht nur auf dem Bergwegabschnitt des ersten Tages, was ich mir erhofft hatte, die zwei Flachetappen den Ticino entlang waren nicht minder beeindruckend.

Das nasskalte Wetter lockte unzählige Feuersalamander hervor. Nach einem Dutzend hörte ich auf zu zählen. Ich schätzte die Anzahl gesichteter Tiere innerhalt von zwei Stunden auf über 40.


Als ich in Lavorgo im S-Bahn-Zug, der sich aber Interregio nennt, ankam, nieselte es. Während dem Aufstieg nach Chironico setzte konkreter Regen ein, der sich in der Folge zum veritablen Geschütte entwickeln sollte. Ich nahm es gelassen, konnte ich doch endlich meine Ultraleicht-Regenjacke auf ihre Tauglichkeit testen. Dies, im vollen Vertrauen auf den Wetterbericht, der für ca. 14 Uhr das Nachlassen der Niederschläge versprach. Und er hielt Wort! Genau zu jenem Zeitpunkt als mein Weg vom Fahrsträsschen in den anspruchsvolleren Pfad überging, hörte das Ungemach auf.
Was nun kam war ein typischer Tessiner Bergweg. Jeder Schritt wollte präzise gesetzt sein. Links ging es steil hinunter, rechts ebenso hinauf. An einigen Stellen ahnte ich den bodenlosen Abgrund bloss. Zum Glück waren da Baumwerk und ein problemlos begehbarer Weg, der einst als Saumpfad für den Warentransport am Gotthard gedient hatte. Maiensäss folgte auf Maiensäss, allesamt zu Wochenendrusticos um- und ausgebaut.

Doch das Gute wurde noch besser. Etwas oberhalb von Persinico, dem erklärten Etappenziel, stand am Wegrand ein Brunnen. Ich fasste die doppelte Ration Wasser, weil ich hoffte, bei einem auf der Karte eingezeichneten Bildstock drei Quadratmeter ebenes Gelände vorzufinden, wo ich mein Zelt für die Nacht aufstellen konnte. Und in der Tat: Die Stelle erwies sich als der perfekte Platz zu Füssen eines 1827 errichteten Gebetsstöcklis, das freilich dringend einer Renovation bedürfte. Und als sich vor dem Einnachten das Abendrot über den Gipfeln Biascas zeigte, war mein Vagabundenglück perfekt. Ich haute mich früh aufs Ohr und lauschte lange dem nicht abreissen wollenden Rauschen der Gotthard-Autobahn. Optische Eindrücke dieser Etappe gibt es hier.

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