15. Dezember 2017

Blaue Mauer

Katharina Zimmermann: Blaue Mauer,
Zytglogge, Oberhofen, 1995
Angesichts der blutigen Folgen nationalistisch, religiös und ethnisch geprägter Kriege der Gegenwart fühlte sich Katharina Zimmermann, die Bernerin, gedrängt, in die Abgründe zu leuchten, welche Chauvinismus und Selbstüberhebung auch im eigenen schweizerischen Boden aufzureissen vermochten. Sie begibt sich bewusst auf einen riskanten Weg, wenn sie sich nicht an die altbernischen Markierungen hält, sondern ohne Vorurteile jurassischen Boden betritt, die Sichtweise und Empfindungen von Jurassiern sich zu eigen macht.

Das Risikoreiche dieses Unternehmens bestimmt nicht nur den Inhalt, sondern auch die Form. Die Autorin lässt die Leserschaft von Anfang an am Entstehen des Werkes teilnehmen, lädt sie in ihre Schreibwerkstatt ein, nimmt sie mit zu ihren Recherchen im Jura. Im ersten Teil des Buches ist es ein Herantasten an Ereignisse, an Landschaften, an Menschen, Stimmungen und Gesinnungen. Im zweiten Teil dann nimmt sich die Schrifststellerin die Freiheit der Erfindung; romanhafte Figuren beherrschen die Szenerie und belegen erzählerisch, wie stark das Private von Konflikten öffentlicher Art beeinflusst, manipuliert, geschädigt wird. Und wie Versöhnung angebahnt werden kann. (Klappentext)

15. Dezember

1986  Le Creux – Mont Racine – Les Ponts-de-Martel • 21,1 km
1991  Habkern – Bolberg – Habkern • 11,0 km
2012  Laupen – Neuenegg – Thörishaus • 10,4 km
2013  Oberhofen – Merligen • 7,8 km

2012: Natershus bei Neuenegg (BE)

14. Dezember 2017

13. Dezember 2017

Melli


13. Dezember

1992  Waldegg – Beatenberg • 9,2 km
2003  Genève – Hermance • 19,7 km
2008  Burgistein – Thurnen – Burgistein • 4,0 km
2009  Biel-Benken – Metzerlenchrüz – Kleinlützel • 16,0 km • Projekt Von Tag zu Tag
2015  Eggiwil Neuhof – Chapf – Bowil • 13,3 km

2003: Hermance (GE)

12. Dezember 2017

Militärstrasse


Was wäre die Stadt Thun ohne Waffenplatz? Ganz einfach: die Stadt Thun ohne Waffenplatz. Einzig die Militärstrasse und vielleicht nocht der Guisan-Platz würden darauf hindeuten, dass hier, am Eingang zum schönen Berner Oberland, die schweizerische Armee einmal einen Ableger hatte. Was soll's? Die Neolithiker waren bereits hier, die Römer und die gnädigen Herren von Bern, tätärää ... Und auch dieses Militär wird der Flecken am gleichnamigen See überleben. Mich beschäftigt indes vielmehr die Frage, was kommt danach?

12. Dezember

1993  St. Stephan – Lasenberg – St. Stephan • 12,9 km
2004  Süderen – Heimenschwand • 6,2 km
2014  Buchs (ZH) – Burghorn – Buchs (ZH) • 17,8 km • Projekt Rund um Zürich

2014: Aufmerksame Beobachterin in Otelfingen (ZH)

11. Dezember 2017

257 Gemeinden

Amüsanter Auftakt zu dieser Wanderung im waadtländischen Teil des Broyetals. Im Zug von Bern nach Freiburg sitze ich nahe eines Trios aus dem Luzernbiet. Ihre Reise in die Romandie dient offensichtlich dem Besuch eines Weihnachtsmarktes, denn die Innerschweizer rekapitulierten mitunter, welchen Christkindelmärkten sie bereits die Referenz erwiesen haben: Stuttgart, München, Nürnberg, Strassburg. Als der Intercity  über das Saane-Viadukt fährt, kommt die Frage auf, ob dies immer noch die Aare sei. Die drei sind sich schnell einig: Dies ist die Aare! Der einzige Mann des Trüppchens doppelt gar nach: «Dort hinten ist doch die Aareschlucht, nicht?» Immerhin versucht sich nun die jüngere der beiden Frauen mithilfe ihres Smartphones schlau zu machen. Ich bin inzwischen aufgestanden und blicke auf ihr Display. «Ja, das ist die Saane», bestätigt sie. Ich bin drauf und dran zu intervenieren, doch dann geschehen zwei Dinge: 1. meint die Smartphone-Frau nun doch, dass es nicht die Saane sein könne. 2. ist der Zug inzwischen in Freiburg angelangt, und ich muss mit der Hoffnung aussteigen, dass dieses kleine Geografie-Lektiönchen doch noch sein glückliches Ende nehmen würde.

Nun aber zum Kern dieses Eintrags. Meine vorweihnächtlichen Destinationen lauten Villarzel, Henniez, Dompierre, Prévonloup. Alle garantiert ohne Christkindelmarkt – ganz im Gegenteil: Pampa-Dörfer, die vermutlich ihre besten Tage bereits hinter sich haben und sich nun mit Neuzuzügern über Wasser zu halten versuchen. Bei heftigem Schneetreiben verlasse ich in Granges-Marnand den Zug und schicke mich an, den Aufstieg nach Villarzel in Angriff zu nehmen. Das Strassendorf im Südosten von Marnand hat über Nacht etwas mehr Schnee erhalten, als der Talgrund. Die knapp 10 cm reichen den Kindern bereits zum «Füdliböpplen», wie die St. Galler zu sagen pflegen: Mit dem Hintern auf einem Schneeteller den Hang hinab rutschen.

Der Haupteingang zum ehemaligen Bad von Henniez (VD).

Besonders gespannt bin ich auf das ehemalige Bad Henniez, das über dem gleichnamigen Dorf am Rande einer kleinen Schlucht gelegen ist. Wer hier einen in die Jahre gekommenen Kurbadkomplex aus der guten alten Belle Époque erwartet, wird herb enttäuscht. Die nüchtern wirkenden Gebäude deuten auf den ersten Blick in keiner Weise auf den ehemaligen Badebetrieb hin. Vergeblich suche ich nach einer alten Anschrift «Bains d'Henniez» oder dergleichen. Die Quellen der Gegend wurden bereits zu römischer Zeit zu Heilzwecken genutzt. Im 17. Jahrhundert entstand ein erstes Bad, um 1880 wurde die Anlage zu einem Kurhotel aufgewertet. Ab 1930 erfasste der europaweite Niedergang der Heilbäder auch Henniez. Seit 1905 wird das Mineralwasser in Flaschen abgefüllt und ist schweizweit zum Inbegriff von Sprudelwasser geworden. Seit 2007 ist der einstige Familienbetrieb im Besitz von Nestlé. Noch immer figuriert das alte Heilbad auf der Flaschenetikette. Die Gebäude erinnern an ein schlossähnliches Anwesen; Heute dient die 1930 stillgelegte Liegenschaft als Wohnraum in sonderbarer Lage fernab jeglicher Zentren.

Das Bad ist gestorben, das Minerallwasser hat überlebt. Die Etiketten zeigen heute noch das ganz alte Bad.
Nachdem ich das Anwesen einmal umrundet habe, ziehe ich weiter südwestwärts nach Seigneux und von hier hoch nach Dompierre, wo ich in der Kirche Mittagsrast halte. Fünf Grad zeigt das Thermometer bei der Orgel, die nicht etwa auf einer Empore, sondern ebenerdig mit den Kirchenbänken im Rücken der Gemeinde steht. Im empfinde die Temperatur als äusserst angenehm, bin ich hier drinnen wenigstens vor dem auffrischenden Wind geschützt.

Unterhalb des ehemaligen Bades von Henniez durchquert der Wanderweg eine kleine Schlucht.

Der letzte Abschnitt hinüber nach Lovatens und hinab nach Lucens ist geprägt vom wechselhaften Winterweter. Mal peitscht mir der Schnee frontal ins Gesicht, dann reisst der Himmel plötzlich auf, und die Sonne bescheint für wenige Minuten die gleissende Landschaft. Kein Wunder bin ich auf der ganzen, knapp 15 km messenden Strecke der einzige Mensch en Route. Immerhin habe ich kurz vor den Henniez-Bädern das Glück, einen Fuchs beim Mausen auf offenem Feld zu beobachten. Mit der Begehung der vier ogbenannten Gemeinden verbleiben mir nun noch deren 257 von insgesamt 2395, was genau 10,73068893 Prozent entspricht.

Weitere Fotos dieser Wanderung finden sich hier

11. Dezember

1986  Les Brenets – Les Bois • 26,8 km
1994  Innereriz – Trogenhorn – Innereriz • 15,2 km
2000  Wolhusen – Ruswil – Neuenkirch – Hildisrieden – Beromünster • 32,0 km
2004  Oberurnen – Scheidegg – Innerthal • 15,5 km

2004: Winteregg im Schwändital (GL). Oben rechts der Mürtschenstock.

10. Dezember 2017

Mittlere Ringstrasse


10. Dezember

1995  Innereriz – Sichle – Merligen • 14,5 km
2005  La Corbatière – Grand Som Martel – Les Ponts-de-Martel • 13,1 km
2011  Steg – Ausserberg – Eggerberg • 16,9 km • Projekt Ostwärts
2016  Cortébert – Métairie due Millieu de Bienne – La Neuveville • 19,3 km • Projekt Die Koordinate

2005: Enzian am Grand Som Martel (NE).

9. Dezember 2017

Neuer Wanderstoff

Christin Osterwalder: Die ersten
Schweizer, Scherz Verlag, Bern +
München, 1977 (vergriffen)
Ich habe soeben ein unglaublich spannendes Sachbuch gelesen: «Eine archäologische Entdeckungsreise durch die Ur- und Frühgeschichte der Schweiz», so der Untertitel zum Werk «Die ersten Schweizer» der leider viel zu früh verstorbenen Historikerin Christin Osterwalder (1943–2008).

Die Beschäftigung mit der Geschichte von Menschen und Kulturen aus jener frühen Zeit, die noch keine schriftliche Überlieferung kannte, hat ihren besonderen Reiz. Der reich illustrierte Band führt dem Leser anschaulich vor Augen, wie spannend das Finden und Auswerten der ältesten Zeugnisse menschlichen Lebens sein kann. Eine blosse Scherbe, eine auffällige Bodenverfärbung oder halbvermoderte Holzreste am Grabungsort können dem Prähistoriker schon wichtige Anhaltspunkte vom Leben und Treiben jener Menschen geben, die vor Urzeiten den Schweizer Raum besiedelten.

Die Autorin und einstige Kustodin am Historischen Museum in Bern, führt ihre Leser zu den wichtigsten Ausgrabungsstätten und prähistorischen Sammlungen der Schweiz, anhand der beduetendsten Funde erklärt sie, wie wir uns Leben und Arbeit der urgeschichtlichen Menschen vorzustellen haben. Dabei gibt sie gleichzeitig einen faszinierenden Einblick in die Arbeitsweise des Prähistorikers. Enge Zusammenarbeit mit der Geologie, der Anthropologie und mit vielen anderen Naturwissenschaften und naturkundlichen Fächern, eine gute Portion detektivischer Scharfsinn und der berühmte glückliche Zufall führen die Forscher zum Erfolg. Wie es zu all den Funden kam, welche Überlegungen angestellt werden müssen und welche interessanten Informationen über die Höhlenbewohner, Jäger, Pfahlbauern, Handwerker und Händler wir aus ihnen gewinnen, legt Christin Osterwalder mit ansteckender Begeisterung dar. (Klappentext)

Das Buch habe ich mir übrigens – einmal mehr – bei der Büchertauschbörsen am Bahnhof Thun geschnappt, vermutlich gegen einen dieser Dutzendkrimis, den ich unbedingt loswerden wollte. Mit ihrer geballten Ladung an prähistorischen Fundstätten inspiriert mich Christin Osterwalder zu zahlreichen neuen Wanderungen in Gegenden, die ich – man staune, man staune – noch nicht besucht habe.

9. Dezember

1984  Preglia – Madonna di San Luca – Preglia (I) • 21,0 km
2007  Safenwil – Aarau • 11,2 km
2017  Granges-Marnand – Seigneux – Lucens • 14.9 km • Fotos • Blog

2007: Im Pfaffentann (SO/AG)

8. Dezember 2017

Mittlere Strasse


8. Dezember

1991  Selibühl – Riffenmatt • 12,2 km
1996  Flühli – Farneren – Schüpfheim • 14,6 km
2002  Oberwil i.S – Lochegg – Morgete – Oberwil i.S. • 17,1 km
2012  Ramsei – Dürsrütiwald – Zollbrück • 14,7 km • Projekt Rucksacktage
2013  Heiligenschwendi – Cherwald – Schwanden • 11,4

2002: Alp Niedermatti im Simmental (BE). Hinten rechts der Niesen.

7. Dezember 2017

Molkereiweg


7. Dezember

1991  Blumenstein – Selibühl • 10,7 km
1992  Waldegg – Beatenberg • 9,2 km
1997  Schwanden – Tönimoos – Bühl • 11,2 km
2008  Lausanne – Cully – Rivaz • 16,2 km • Projekt Hin und WegProjekt Schritt für Schritt
2013  Nunningen – Passwang – Mümliswil • 13,6 km

2008: Rebbaugebiet Lavaux (VD) zwischen Epesses und Rivaz.

5. Dezember 2017

Hamish's Mountain Walk

Hamish Brown: Hamish's Mountain Walk,
Paladin Books, London, 1980
No-one had ever climbed all 279 Scottish Munro peaks – mountains of 3000 feet or more – in a single journey, until Hamish Brown embarked upon his magnificent mountain walk. In fact, Hamish climbed 289 peaks on the walk, covering 1639 miles an a total ascent of 449.000 feet. But, amazing as it is, this record is far less important to Hamish than the affinity he feels for a land he has known all his life. This beautifully evocative book is not only an unforgettable account of one particular journey, but the result of a lifetime spent on the mountains, in contemplation of the scenery an in deep conversation with the people of the Highlands. With this fascinating blend of anecdote, observation and breathtaking description, Hamish Brown is set to take his place beside the classic authors of travel and mountaineering works.

5. Dezember

2015  Hinwil – Bachtel – Rüti (ZH) •  19,0 km

2015: Im Bachtelspalt (ZH)

4. Dezember 2017

Mönchstrasse


4. Dezember

1995  Habkern – Innereriz • 12,6 km
2004  Interlaken – Bettlisberg – Niederried • 9,3 km
2010  Schöftland – Rütihof – Suhr • 13,5 km

2010: Zwischen Suhre- und Wynental (AG).  Schreibmann Thomas Widmer auf der Jagd nach
neuen Wandererkenntnissen

3. Dezember 2017

Moosweg


3. Dezember

1989  Schwarzsee – Jaun – Boltigen • 22,8 km
2005  Hindten – Chrümpelgraben – Trubschachen • 7,2 km
2006  Burgistein – Wattenwil – Burgistein • 6,5 km
2016  Buus – Wenslingen – Buckten • 21,6 km

2005: Blapbach zwischen Eggiwil und Trubschachen (BE)

2. Dezember 2017

Mösliweg


2. Dezember

1985  Cormoret – Chasseral – St-Blaise • 28,1 km
1987  Rheinfelden – Birsfelden • 14,5 km
2001  Törbel – Bonigersee – Visp • 15,3 km
2006  Fischerhubel – Tanne – Biglen • 8,6 km
2017  Römerswil – Ermensee – Hochdorf • 20,2 km • Fotos

2001: Bietschhorn (VS)

1. Dezember 2017

Mövenweg



Der Mövenweg im Thuner Buchholzquarter beweist, dass sich Strassenschilder schlecht für den Deutschunterricht eignen. Die korrekte Schreibweise für diesen Vogel lautet seit dem Beschluss der Orthographischen Konferenz von 1901: Möwe. Im Buchholzquartier wurden seinerzeit noch weitere Vogelnamen zu Strassennamen: Adlerstrasse, Dohlenweg, Distelweg, Drosselweg, Fasanenweg, Meisenweg. Man beachte übrigens den Vogelschiss!

1. Dezember

1987  Les Genevez – La Chaux-des-Breuleux • 12,2 km
1991  Zweisimmen – Sparenmoos – Weissenbach • 13,8 km
2002  Hünibach – Wartboden / Sali – Hünibach • 7,9 km
2007  Schmerikon – Tuggen – Lachen • 17,2 km • Projekt Schritt für Schritt • Projekt Jakobsweg Schweiz
2012  Ramsei – Fluehüsli – Langnau • 17,8 km
2013  Wynigen – Ersigen – Burgdorf • 13,9 km

2012: Zuhinterst im Frittenbachgraben (BE)